INMA World Congress 2024: KI & Subscriptions prägen News Media
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Was ich vom INMA World Congress in Berlin mitgenommen habe

Andreas Demuth · 19 Mai, 2026

Vom 5.-8. Mai fand er statt, der INMA World Congress of News Media, der bisher größte seiner Geschichte und das in Berlin. Laut Veranstalter mit über 775 Teilnehmern aus 38 Ländern, die meisten davon Vertreter von Nachrichtenmedien.


Geboten wurden viele inspirierende Vorträge, Live-Interviews auf der Bühne, von und mit internationalen und nationalen Top-Gästen. Zudem Seminare, Workshops etc. - alles imposant in einem Konferenzzentrum direkt am Brandenburger Tor.


Meine wichtigsten Take-Aways:
Vor allem die angelsächsischen Nachrichtenmedien sehen sich klar in einer zweiten digitalen Transformation, hin zur KI-geprägten Nachrichten-Welt. Zusammengefasst in dem schönen Satz: „Inhalte sind neben Mikrochips und Energie die dritte entscheidende Säule der KI-Lieferkette“. Der Schutz des geistigen Eigentums nahm im Anschluss großen Raum ein. Es ging vor allem darum, wie man den Diebstahl eigener Inhalte verhindern und die Anbieter der LLMs für die Nutzung zahlen lassen kann. Vieles hatte mit Blocking-Technologie zu tun, aber auch mit kommerziellen Vereinbarungen mit den LLMs.


Fragen zu einem zukünftigen regulatorischen Rahmen wurden interessanterweise nicht diskutiert – ich vermute, dass dies eine sehr europäische Perspektive ist. Ich fürchte nur, dass es ganz ohne Regulierung nicht gehen wird. Vor allem wenn man an die große Zahl mittlerer und kleiner Verlage denkt.


Neben KI waren Subscriptions das zweite große Mega-Thema der Konferenz. Recht stark wurde die klassische Denke des „Abo-Funnels“ in Frage gestellt. Erfolgreiche Abo-basierte Nachrichtenmedien denken nun in „Engagement-Loops“. Also über verschiedene Kanäle, Angebote und die Themenauswahl Beziehungen aufbauen und diese zu Abos ausbauen. Beispiele dafür sind z.B. Personenmarken in der Redaktion, weitere Produkte wie Podcasts. Sehr stark wurde dafür geworben, das Abo-Marketing eng mit den Newsrooms zu verzahnen. Das macht großen Sinn und entspricht der Ausrichtung und den Erfolgsmustern, die wir auch in unserem Kundenstamm sehen.


Die digitale Werbung lebt noch, wandelt sich aber radikal. Nur die Werbeflächen auf der Seitennutzung eingeloggter Abonnenten lassen sich zu guten Preisen vermarkten. Ein weiteres Argument für Subscriptions und gegen Werbefreiheit als Bestandteil von digitalen Abos.


Natürlich ging es auch um die Nutzung von KI in Redaktionen. Das Thema dominierte die Praxis-Sessions am Freitag. Viele Häuser schilderten, wie sie KI in Redaktionen nutzen, z.B. Korrekturfunktionen, Verschlagwortung, Archivsuche, Bildervorschläge, aber auch automatische Generierung von Millionen TikTok-Videos durch einen Publisher aus Asien.


Interessant waren die jeweiligen Vorgehensweisen – die gezeigten Use-Cases waren alle sehr sinnvoll und echte Arbeitserleichterungen. Meines Erachtens ist KI aus den Newsrooms nicht mehr wegzudenken. Die Frage ist aber die genaue Ausgestaltung. Bei den vortragenden Verlagen schienen die Berührungsängste in Redaktionen gefallen zu sein, gleichzeitig werden aber auch Vorsicht und Verantwortung stets betont. Vor allem bei europäischen Teilnehmern sind Warnungen von „KI-generierter Content Flut“ deutlich zu hören (Stichwort Trust).


Ermutigend war dagegen zu sehen, dass KI nicht nur für die ganz großen Häuser möglich ist, wie unser Kunde ZVW aus Waiblingen eindrucksvoll vorstellte. Die Kollegen haben ihre Print-Zeitungsproduktion nahezu vollständig automatisiert, so dass meist nur noch wenige Kontrollen notwendig sind.


Insgesamt war die Stimmung deutlich positiv, kollegial und pragmatisch. Die Herausforderungen sind klar und es ist besser den Wandel mitzugestalten – da hilft so ein Austausch sehr. Eindrucksvoll war zu sehen, dass Nachrichtenmedien rund um den Globus so viel Innovationen vorantreiben.


Andreas Demuth ist geschäftsführender Gesellschafter bei Upscore.