Digitale Abos: Sind Bundles die Zukunft?
Sind Bundles die Zukunft der Digitalabos?
Diese Frage stellte mir kürzlich ein Verlagsleiter und sie ist in mehrfacher Hinsicht eine interessante. Es gibt viele verschiedene Perspektiven, aus denen man antworten kann.
Bündelangebote (Bundles) kombinieren mehrere Produkte bzw. Dienstleistungen zu einem Paket, das meist günstiger ist als der Einzelkauf. Dabei geht es oft um Fragen des Marketings und Vertriebs und um den tatsächlichen oder gefühlten Mehrwert für den Kunden. In der Praxis werden Bundles oft aus ähnlichen oder komplementären Produkten angeboten.
In den Medien gibt es Bundles schon recht lange, etwa die verschiedenen Kanäle im US-Kabelfernsehen seit den 80ern, Amazon Prime in der jetzigen Form in Deutschland seit bald 12 Jahren. Bei Digitalabos deutscher Verlage dagegen ist das Konzept noch recht neu.
Der Verein alles.plus wurde von mehreren Verlagen gegründet, um Kombiangebote zu ermöglichen. Eine Weile hörte man wenig, seit etwa 6 Monaten bieten der Spiegel aus Hamburg und der Weser-Kurier aus Bremen genau das an. Abonnenten des einen können das jeweils andere Angebot mit einem Preisvorteil „hinzukaufen“ und so Informationen aus nationaler/internationaler + lokaler Sicht erhalten.
Leider findet man auf den Abo-Seiten und Abo-Shops der beiden Verlage diese Angebote nicht, da sie nur Bestandskunden unter bestimmten Umständen angeboten werden. Technisch wickeln Coupons die Angebote ab.
Kann man aus der kommunikativen Zurückhaltung ableiten, dass es vielleicht nicht besonders erfolgreich ist? Ich denke das ist nicht die entscheidende Frage. Zunächst Respekt dafür, es zu riskieren. Denn für Bundles sind eine Vielzahl von Prozess- und Technikfragen zu lösen: zu Marketingstrategie, Kundensegmentierung, Austausch von Leseempfehlungen, flexible Paywalls, flexible Kaufstrecken und Abo-Shops, die Abrechnung, Reporting, Kundenbetreuung und vieles mehr.
Doch die dabei geschaffenen Lösungen und das gewonnene Wissen sind kritische Faktoren für die Zukunft. Denn wer kann schon sagen, dass Digitalabos so bleiben werden wie wir sie heute kennen (ein Produkt – eine Marke)?
Wieso nicht weiterdenken? Etwa das Digitalangebot eines Lokalpublishers gebündelt mit dem Monatsticket des lokalen Verkehrsverbundes oder Sportvereins. Diese Zukunft wäre vielleicht gar nicht so schlecht.
Andreas Demuth ist geschäftsführender Gesellschafter bei Upscore.